Im Zoo Karlsruhe geborener Luchs ausgewildert

Der Thüringer Wald ist um einen neuen Bewohner reicher: Luchs Carlo wurde heute in der Nähe von Oberhof ausgewildert. Er ist bereits der sechste Luchs, der seit Projektbeginn im Januar 2024 im Rahmen des Artenschutzprojekts „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ im Thüringer Wald eine neue Heimat gefunden hat. Initiiert und koordiniert wird das Projekt vom BUND Thüringen, der gemeinsam mit dem WWF Deutschland, ThüringenForst und weiteren Partnern die Rückkehr der Luchse in die Region begleitet.

Der Kuder, wie männliche Luchse genannt werden, stammt aus dem Zoo Karlsruhe, wo er in einem großen, naturnah gestalteten Gehege ohne direkten Kontakt zu Menschen aufgewachsen ist. Im Koordinationsgehege im Tierpark Oberwald wurde Luchs Moritz, wie er bei uns genannt wurde, auf ein Leben in der Natur vorbereitet. Nach seiner Ankunft in Thüringen verbrachte er zunächst einige Zeit im Auswilderungsgehege, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Seit heute streift er mit neuem Namen durch den Thüringer Wald und reiht sich in die Gruppe der bisher ausgewilderten Luchse Frieda, Viorel, Vreni, Kilian und Ionel ein.

Ein Jahr lang wird Carlo mithilfe eines GPS-Senders beobachtet, der Einblicke in Carlos Raumnutzung und Verhalten erlaubt. Anschließend fällt das Halsband automatisch ab. Nur durch verlässliche Daten lässt sich einschätzen, wie erfolgreich das Projekt ist und ob sich im Thüringer Wald langfristig eine stabile Luchspopulation etablieren kann. Ergänzend liefern Fotofallen regelmäßig Einblicke in das Leben der Tiere.

„Wir freuen uns sehr, dass Carlo nun seine neue Heimat im Thüringer Wald gefunden hat“, sagt Dr. Marco Roller, Zootierarzt in Karlsruhe. „Mit unserer gezielten Zucht von Luchsen für Wiederansiedlungsprojekte leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser faszinierenden Tierart in Europa.“

Carlo ist der erste Luchs, der in Karlsruhe geboren und in die Wildnis entlassen wurde. Die bislang in Baden-Württemberg ausgewilderten Luchse wurden in anderen zoologischen Einrichtungen gezüchtet. „Vielleicht klappt es ja im kommenden Jahr, dass ein bei uns nachgezüchtetes Tier dann im Südwesten ausgewildert werden kann. Das wäre auch für mich persönlich, der im Schwarzwald wohnt, besonders schön“, betont Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt.