Netzgiraffen als Unterstützung bei der Baumpflege: Was zunächst ungewöhnlich klingt, wird im Zoo Karlsruhe aktuell gemeinsam mit dem Gartenbauamt als neuer Trainingsansatz erprobt. Die Tiere erreichen mit ihrem langen Hals mühelos Höhen, die für Pflegemaßnahmen sonst nur mit großem technischem Aufwand zugänglich sind.

Grundlage ist das etablierte Tiertraining, das normalerweise zur Erleichterung der Arbeit mit den Tieren oder als Medical Training für tierärztliche Kontrollen eingesetzt wird. Die Giraffen lernen aktuell in täglichen Trainingseinheiten, über gezielte Signale und positive Verstärkung bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen. In einem nächsten Schritt wird aktuell versucht, die Tiere vor Öffnung der Anlage gezielt an ausgewählte Gehölze zu führen, um dort eine möglichst punktgenaue „Pflege“ durch Abweiden zu erreichen.

Gerade dieser Teil stellt sich jedoch als deutlich anspruchsvoller heraus als zunächst angenommen. Zwar folgen die Tiere bekannten Trainingsreizen zuverlässig, bei der Auswahl der „richtigen“ Bäume zeigen sie jedoch weiterhin eine bemerkenswerte Eigenständigkeit. Nicht immer sind die bevorzugten Futterpflanzen die, welche aus gärtnerischer Sicht gerade Pflege benötigen.

Dennoch liefern die bisherigen Versuche interessante Erkenntnisse. Netzgiraffen lassen sich gut motivieren, sich intensiv mit Gehölzen zu beschäftigen. „Das ist sensationell. Ein äußerst innovativer Ansatz mit echtem Alleinstellungsmerkmal“, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt. Zudem könne es ein Beitrag zu den städtischen Kostensparmaßnahmen sein.

Mit den bisherigen Erkenntnissen aus dem Training bestätigt sich einmal mehr, dass tierisches Verhalten zwar gezielt gefördert werden kann, die finale Entscheidung aber oft beim Tier selbst liegt. Oder anders gesagt: Die Zusammenarbeit funktioniert, solange die Giraffen mit dem Pflegekonzept einverstanden sind.