Lebensräume bewahren, Aussterben verhindern: Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe fördert in zehn Jahren 48 Vorhaben mit 4,5 Millionen Euro

Vom Nebelwald in Ecuador über die Masai Mara in Kenia bis zum Luchsprojekt in Baden-Württemberg reicht das Engagement der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe. Sie wurde 2016 gegründet und feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. 19 Vorhaben haben einen internationalen, 24 einen lokalen oder regionalen Schwerpunkt und fünf sind überregional. Insgesamt kamen bislang mehr als 4,5 Millionen Euro für den Artenschutz zusammen.

„Es macht mich stolz und dankbar, wenn aus dem Engagement so vieler Unterstützer konkrete Hilfe für bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume entsteht“, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt, Vorsitzender des Stiftungsvorstands. „Mit der Stiftung können wir unsere Arbeit im Zoo über dessen Grenzen hinaus gemeinsam mit starken Partnern fortsetzen. Das bewegt mich sehr.“

Zoo und Stiftung ergänzen sich in ihren Aufgaben. Die Fachleute im Zoo engagieren sich unter anderem in zahlreichen Erhaltungszuchtprogrammen der europäischen Zoovereinigung EAZA. Die Stiftung fördert Maßnahmen in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten. So verbindet sie Ex-situ-Artenschutz, also den Schutz außerhalb des natürlichen Lebensraums im Zoo, mit In-situ-Artenschutz, dem Schutz in der Natur.

Ein Schwerpunkt der Stiftung liegt in Ecuador. In der Nebelwaldregion bei Mindo hat die Stiftung Flächen erworben, um erhaltenen Wald zu bewahren und gerodete Bereiche wieder aufzuforsten. Mit rund 1.103.000 Euro ist Ecuador das größte Einzelprojekt. Bei den Aufforstungen arbeitete die Stiftung mit der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) zusammen. „Das Projekt in Ecuador zeigt, wie wir mit langfristigem Engagement wertvolle Nebelwaldflächen sichern und gerodete Bereiche wiederherstellen können“, sagt Dr. Clemens Becker, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung.

In der Masai Mara in Kenia setzt die Stiftung ebenfalls auf eine langfristige Zusammenarbeit. Gemeinsam mit dem WWF unterstützt sie dort Gemeindeschutzgebiete, die wichtige Wanderwege für Wildtiere sichern und zugleich die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung berücksichtigen. In dieses Vorhaben flossen bisher rund 893.000 Euro. In Bangladesch fördert die Stiftung zusammen mit dem Verein Plumploris unter anderem eine Auffang- und Auswilderungsstation für die gefährdeten Bengalischen Plumploris. Dafür wurden bislang 134.000 Euro bereitgestellt.

„Viele der im Zoo gehaltenen Arten sind mit Partnerprojekten in der Natur verbunden. Die Afrikasavanne etwa steht in enger Verbindung mit dem Schutz der Masai Mara“, sagt Artenschutzkuratorin Sandra Dollhäupl. „So wird für Zoogäste sichtbar, wie die Haltung der Tiere und der Erhalt ihrer Lebensräume zusammengehören. Diese Verbindung ist für uns ganz entscheidend. Die Tiere im Zoo sind Botschafter für die bedrohten Artgenossen in der Natur.“

Wie eng Erhaltungszucht und Maßnahmen vor Ort verzahnt sein können, zeigt der Vietnamfasan. In der Natur gilt die Art als ausgestorben. Ihr Fortbestand ist dem jahrzehntelangen Engagement von Zoos und privaten Haltern zu verdanken. Aus wenigen Tieren entstand eine Reservepopulation, die in Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen gezielt vermehrt wird – auch im Zoo Karlsruhe.

Einzelne Vögel wurden inzwischen über den Tierpark Berlin nach Vietnam gebracht, darunter eines aus Karlsruhe. Mit starker Unterstützung der Artenschutzstiftung entstand dort eine Zuchtstation. Dort gezüchtete Jungtiere sollen künftig die Grundlage für eine Wiederansiedlung in der Heimat der Art bilden. Für das Vorhaben hat die Stiftung bislang rund 147.000 Euro bereitgestellt.

Auch das Luchsprojekt in Baden-Württemberg zeigt, was durch die Zusammenarbeit verschiedener Partner erreicht werden kann. Im Koordinationsgehege im Tierpark Oberwald, der Dependance des Zoos mitten im Wald, werden junge Luchse mit möglichst wenig Kontakt zu Menschen auf ein selbstständiges Leben in der Natur vorbereitet.

Die Stiftung hat den Bau der Anlage mit rund 210.000 Euro mitfinanziert. Das Gesamtprojekt setzen das Land Baden-Württemberg, die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt, der Landesjagdverband, der WWF Deutschland, die Luchs-Initiative und der Zoo Karlsruhe gemeinsam um. Geeignete Tiere aus Erhaltungszuchtprogrammen werden vorbereitet und im Schwarzwald ausgewildert.

Das Vorhaben veranschaulicht den One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN: Maßnahmen innerhalb und außerhalb des natürlichen Lebensraums werden gemeinsam geplant und verwirklicht.

„Es bewegt mich, zu sehen, wie viele Menschen und Organisationen sich für ein Ziel einsetzen: dem Luchs in Baden-Württemberg wieder eine Zukunft zu geben“, sagt Reinschmidt. „Wir sind stolz, mit dem Koordinationsgehege und unserer Stiftung einen wichtigen Beitrag zu leisten. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann daraus eine Zukunft für den Luchs bei uns im Schwarzwald entstehen.“

Auch in der Region unterstützt die Stiftung zahlreiche Vorhaben. Dazu zählen Projekte für Moorfrösche, Mehlschwalben und Wiesenbrüter, die Saalbachniederung sowie Nisthilfen für verschiedene Vogelarten. Im Moorfroschprojekt werden Tiere im Zoo aufgezogen und anschließend in geeigneten Lebensräumen ausgewildert. Das Engagement reicht damit von internationalen Schutzgebieten bis zu Maßnahmen direkt vor der eigenen Haustür.

„Die Stiftung zeigt, dass Karlsruhe Verantwortung für den Erhalt der biologischen Vielfalt übernehmen kann – in der Region und weltweit“, sagt Michael Obert, ehemaliger Zoobürgermeister und langjähriger Vorsitzender des Stiftungsrats. „Dass so viele Unterstützer diese Arbeit tragen, ist ein großer Erfolg.“

Bei einem Festakt im Zoo Karlsruhe sind rund 100 Gäste zusammengekommen, darunter der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Unterstützer der Stiftung und Vertreter verschiedener Artenschutzprojekte. Sie blickten dabei gemeinsam auf zehn Jahre erfolgreiches Engagement für bedrohte Arten und ihre Lebensräume zurück.