59 Millionen Euro in fünf Jahren, 155 Projekte, 55 Länder: Wie zoologische Gärten den internationalen Artenschutz mitgestalten
Artenschutz funktioniert nur gemeinsam. Das wird aktuell bei der Jahrestagung des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) im Zoo Basel deutlich. Mehr als 200 Fachleute aus Zoos, Wissenschaft, Naturschutz und Politik kommen dort zusammen, um über die Zukunft des internationalen Artenschutzes zu beraten.
Beeindruckend sind die Zahlen, die der VdZ vorgestellt hat: In den vergangenen fünf Jahren haben die Mitgliedszoos rund 59 Millionen Euro in Natur- und Artenschutzprojekte investiert. Sie engagieren sich in mindestens 155 Projekten in 55 Ländern weltweit und tragen jährlich zur Auswilderung von rund 500 Tieren bedrohter Arten in Europa sowie von mehr als 230.000 Insekten, Amphibien und Fischen bei.
Im Mittelpunkt der Tagung steht der One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN. Dabei werden Wildpopulationen und die in menschlicher Obhut gehaltenen Reservepopulationen nicht getrennt betrachtet, sondern gemeinsam gemanagt. VdZ-Präsident Dr. Dag Encke bezeichnet diesen Ansatz als einen grundlegenden Wandel im Artenschutz: Der langfristige Erhalt bedrohter Arten erfordere koordinierte Zuchtprogramme, wissenschaftlich fundiertes Populationsmanagement, Monitoring und starke Partnerschaften. Genau dafür stünden die Zoos des VdZ.
Als Gastgeber der Tagung verweist Dr. Olivier Pagan, Direktor des Zoo Basel, auf Arten wie die Kordofan-Giraffe, die Boulengers Flachschildkröte und die Rio-Pescado-Harlekinkröte. Sie zeigen beispielhaft, wie integrierter Artenschutz funktionieren kann – von Reservepopulationen für künftige Wiederansiedlungen über die Rettung akut bedrohter Arten bis hin zum Aufbau koordinierter Erhaltungszuchten.
Auch der Zoo Karlsruhe trägt dazu bei. Gemeinsam mit der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe wurden allein im Jahr 2025 insgesamt 566.422 Euro für verschiedene Artenschutzprojekte bereitgestellt. Darüber hinaus beteiligt sich der Zoo an zahlreichen Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen und unterstützt Auswilderungsprojekte, etwa für Luchse, Moorfrösche, Große Brachvögel, Kiebitze und Wisente. Damit wird der One Plan Approach ganz konkret gelebt: Artenschutz in den natürlichen Lebensräumen und Ex-Situ-Artenschutz in zoologischen Einrichtungen greifen ineinander.
„Wenn wir uns alle zusammen für den Artenschutz einsetzen, wird daraus etwas Großes“, betont der Karlsruher Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt. Die Herausforderungen für die biologische Vielfalt sind groß. Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit von Zoos, Naturschutzorganisationen, Behörden, Wissenschaft und vielen engagierten Menschen weltweit.




