Vier Luchsjungtiere in Baden-Württemberg nachgewiesen: Nachwuchs bei drei Weibchen ist wichtiger Erfolg für Artenschutzprojekt
In Baden-Württemberg sind inzwischen vier Luchsjungtiere nachgewiesen worden. Ein Jungtier wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit der Luchskatze Elisabeth zugeordnet, zwei weitere wurden gemeinsam mit Luchskatze Verena fotografiert. Im Südschwarzwald wurde zudem ein Weibchen mit Jungtier gemeldet. Damit gibt es in diesem Jahr erstmals Nachwuchsnachweise bei drei Luchsweibchen und in Baden-Württemberg erstmals seit 200 Jahren überhaupt wieder Luchsnachwuchs.
Bei Elisabeth gelang am 27. September eine Fotofallenaufnahme. Anhand ihrer GPS-Daten kann der junge Luchs mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr zugeordnet werden. Verena wurde am 30. September mit zwei Jungtieren fotografiert. Bis dahin war lediglich ein Jungtier durch einen genetischen Nachweis bekannt. Im Südschwarzwald meldete ein Beobachter am 19. Oktober ein adultes Weibchen mit Jungtier.
Elisabeth und Verena wurden im Rahmen des Bestandsstützungsprojekts „Luchs Baden-Württemberg“ ausgewildert. Der Nachweis im Südschwarzwald könnte auf die Zuwanderung eines Weibchens aus der Schweiz hindeuten. Seine genaue Herkunft ist bislang nicht bekannt. Weibliche Luchse legen bei der Suche nach einem eigenen Territorium üblicherweise deutlich kürzere Strecken zurück als Männchen. Umso bemerkenswerter wäre es, wenn das Weibchen tatsächlich vom Jura in den Schwarzwald gewandert ist und dort nun Nachwuchs hat.
„Die Nachweise haben uns sehr überrascht. Der Nachwuchs in diesem Jahr ist ein wichtiger Erfolg für das Projekt ‚Luchs Baden-Württemberg‘ und damit für den Artenschutz in Baden-Württemberg“, sagt Eva Klebelsberg, Leiterin des Bestandsstützungsprojekts bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA).
„Es gibt nur noch wenige unverbaute Abschnitte des Hochrheins, die eine Querung zwischen der Schweiz und Baden-Württemberg ermöglichen. Aber auch sie verengen sich durch Bauvorhaben immer weiter“, sagt Klebelsberg. Ein Austausch zwischen den Schweizer und den baden-württembergischen Luchsvorkommen sei unerlässlich, um eine stabile Luchspopulation im Dreiländereck zu etablieren.
„Es macht mich glücklich, wie sich unsere Bemühungen für den Luchs immer mehr auszahlen. Wir sind sehr optimistisch, dass es eine gute Zukunft für die Art in Baden-Württemberg geben wird“, sagt Verena Schiltenwolf, Vorsitzende der Luchs-Initiative Baden-Württemberg.
Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband Baden-Württemberg ergänzt: „Für ein dauerhaftes Vorkommen braucht es geeignete Lebensräume und eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Dass sich der Luchs nun an mehreren Orten im Land fortpflanzt, ist ein ermutigendes Zeichen für das gemeinsame Projekt.“
Auch Dr. Sybille Klenzendorf, Programmleitung Wildtiere Deutschland und Europa beim WWF Deutschland, freut sich über den Nachwuchs und betont gleichzeitig die Wichtigkeit von Wildtierkorridoren: „Dass im Schwarzwald innerhalb eines Jahres vier Luchsjunge nachgewiesen werden konnten, ist ein bedeutender Meilenstein für die Entwicklung der Luchspopulation in Baden-Württemberg und darüber hinaus. Für das langfristige Überleben der Art sind neben ausreichend geeignetem Lebensraum vor allem der genetische Austausch und die Vernetzung mit anderen nationalen und europäischen Luchsvorkommen von entscheidender Bedeutung.“
Die FVA leitet das Projekt und arbeitet dafür eng mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland, dem Zoo Karlsruhe und der Luchs-Initiative Baden-Württemberg zusammen. Unterstützt wird es von der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe und der alosa Stiftung. Auftraggeber ist das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg. Die im Projekt ausgewilderten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse, das von der europäischen Zoovereinigung EAZA koordiniert wird.
Der Zoo Karlsruhe ist mit seiner Beteiligung an der Erhaltungszucht, dem Koordinationsgehege im Tierpark Oberwald und der veterinärmedizinischen Betreuung ausgewilderter Tiere Teil des Projektteams. „Wenn ein von uns ausgewildertes Tier Nachwuchs bekommt, ist das für mich ein sehr bewegender Moment“, sagt Zootierarzt Dr. Marco Roller, der auch Kurator des Tierparks Oberwald ist. „Vier Luchsjungtiere in Baden-Württemberg – das ist sensationell. Wir sind stolz, als Zoo Karlsruhe Teil des Teams zu sein, das sich mit großem Engagement für den Schutz dieser faszinierenden Tiere einsetzt“, betont Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt.
Hinweis zum Bild: Ein Luchs-Jungtier bei einer früheren Untersuchung im Zoo Karlsruhe. Das Archivbild dient als Symbolbild für den aktuellen Nachwuchs.




