Zootierarzt Dr. Marco Roller besucht derzeit das Wiederansiedlungszentrum Alibi in der Torgai-Steppe in Kasachstan. Dort werden Przewalski-Pferde aus europäischen Erhaltungszuchten auf ein selbstständiges Leben in ihrem ursprünglichen Lebensraum vorbereitet. Roller ist als Kurator zugleich für den Tierpark Oberwald zuständig, wo der Zoo Karlsruhe die Art hält und züchtet. Der Besuch ermöglicht einen unmittelbaren Einblick in die Arbeit vor Ort und den fachlichen Austausch mit den beteiligten Artenschützern, Tierärzten und Wissenschaftlern.
Das 2017 gegründete Zentrum verfügt über eine Fläche von rund 210 Hektar. Nach ihrer Ankunft verbringen die Pferde zunächst längere Zeit in Eingewöhnungsgehegen, werden tiermedizinisch betreut und können sich an das Klima sowie die natürlichen Bedingungen der Steppe gewöhnen. Ausgewählte Tiere erhalten Satellitenhalsbänder. Nach der Auswilderung werden ihre Wege und ihre weitere Entwicklung langfristig verfolgt. Bis 2029 sollen insgesamt etwa 40 bis 45 Przewalski-Pferde in die Torgai-Steppe gebracht werden und dort den Grundstein für eine sich selbst erhaltende Population bilden.
Przewalski-Pferde wurden in der Natur vom Menschen ausgerottet. Nur durch die Haltung und Zucht in Menschenobhut konnte die Art gerettet werden. Heute leben wieder mehrere hundert Tiere in den Steppen Zentralasiens. Die Weltnaturschutzunion führt das Przewalski-Pferd auf der IUCN Red List of Threatened Species inzwischen als „stark gefährdet“ und nicht mehr als „ausgestorben in der Natur“. Ein bemerkenswerter Erfolg, der zeigt, wie wichtig koordinierter Artenschutz ist.
Der Zoo Karlsruhe beteiligt sich am Erhaltungszuchtprogramm der Europäischen Zoovereinigung EAZA – the European Association of Zoos and Aquaria. Ziel ist es, langfristig gesunde Reservepopulationen zu erhalten und damit auch zukünftige Auswilderungsprojekte zu unterstützen. Mit 10.000 Euro fördern der Zoo Karlsruhe und die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe bereits das Projekt zur Auswilderung und zum Monitoring der Przewalski-Pferde in Kasachstan. Finanziert wird die Unterstützung auch durch den Freiwilligen Artenschutz-Euro, den die meisten Zoogäste beim Eintritt entrichten. So greifen Erhaltungszucht, Auswilderung, wissenschaftliche Begleitung und finanzielle Hilfe unmittelbar ineinander.




