Mehrere Monate lebte Luchs Koda im Koordinationsgehege im Tierpark Oberwald, der Dependance des Zoos mitten im Wald. Nun streift das Männchen durch den Pfälzerwald in Rheinland-Pfalz. Dort wurde das Tier im Rahmen des Wiederansiedlungsprojekts ausgewildert.
Das Koordinationsgehege spielt bei solchen Auswilderungen eine wichtige Rolle. Die Luchse werden dort gezielt auf ein Leben in der Natur vorbereitet. Gleichzeitig lernen sie, Menschen konsequent zu meiden und entwickeln die notwendige Scheu, die für das Überleben in der Natur entscheidend ist.
Bevor Koda seine Reise antreten konnte, stand noch ein letzter Gesundheitscheck an. Dafür wurde das Tier von Zootierarzt Dr. Marco Roller narkotisiert und gründlich untersucht. Erst nachdem alle Untersuchungen erfolgreich abgeschlossen waren, erfolgte der Transport in den Pfälzerwald. Koda stammt ursprünglich aus dem Tiergarten Nürnberg und ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) der EAZA – the European Association of Zoos and Aquaria.
Die Auswilderung zeigt, wie eng Zoos, Naturschutzorganisationen, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen heute zusammenarbeiten. Die Weltnaturschutzunion IUCN bezeichnet diesen Ansatz als „One Plan Approach“. Maßnahmen in menschlicher Obhut und in der Natur werden dabei gemeinsam geplant und aufeinander abgestimmt. Ziel ist es, bedrohte Arten langfristig zu erhalten und stabile Populationen aufzubauen.
Wie erfolgreich dieser Weg sein kann, zeigt sich aktuell auch in Baden-Württemberg. Erst vor wenigen Tagen wurde im Schwarzwald erstmals seit rund 200 Jahren wieder ein in der Natur geborenes Luchsjungtier nachgewiesen. Auch das Muttertier wurde zuvor im Koordinationsgehege des Zoos Karlsruhe auf die Auswilderung vorbereitet.
Langfristig sollen die verschiedenen Luchsbestände in Mitteleuropa miteinander verbunden werden. Wandernde Tiere könnten dann von der Schweiz über den Schwarzwald bis in den Pfälzerwald gelangen und sich dort fortpflanzen. Ein solcher genetischer Austausch erhöht die Vielfalt der Populationen und stärkt ihre Zukunftsfähigkeit. Jede erfolgreiche Auswilderung bringt dieses Ziel einen Schritt näher.
(Fotos: Dino Renvert/MLWUF, Chris Dlouhy/SNU)




