Nach rund 200 Jahren ist in Baden-Württemberg wieder ein Luchs in der Natur geboren worden. Der Nachweis eines Jungtiers im Schwarzwald ist ein historischer Erfolg für den Artenschutz im Land.

Möglich wurde die Entdeckung, weil das ausgewilderte Luchsweibchen Elisabeth mit einem Sender ausgestattet ist. Als die Positionsdaten über längere Zeit auf einen festen Aufenthaltsort hindeuteten, entstand die Vermutung, dass sie Nachwuchs bekommen haben könnte. Bei einer vorsichtigen Kontrolle bestätigte sich diese. Das Jungtier wurde dabei auch von Zootierarzt Dr. Marco Roller untersucht, der seit Jahren am Luchsprojekt mitarbeitet. Das Luchskätzchen machte einen gesunden Eindruck und wurde anschließend sofort wieder zur Wurfhöhle zurückgebracht.

Besonders erfreulich ist die Nachricht auch für den Zoo Karlsruhe. Elisabeth wurde im vergangenen Jahr im Rahmen des Projekts „Luchs Baden-Württemberg“ ausgewildert. Zuvor lebte sie mehrere Monate im Koordinationsgehege. Dieses steht fernab der Besucherwege im Tierpark Oberwald, der Dependance des Zoos mitten im Wald. In der speziellen Anlage werden Luchse auf ein Leben in der Natur vorbereitet. Zudem übernehmen die Tierärzte des Zoos die notwendigen Untersuchungen und Narkosen der Tiere vor ihrer Auswilderung.

„Die Nachricht über den ersten Luchsnachwuchs in Baden-Württemberg seit rund 200 Jahren ist sensationell. Die Freude ist auch bei uns im Zoo riesengroß, weil sie einmal mehr zeigt, welchen wichtigen Beitrag Zoos zum Artenschutz leisten. Dass Elisabeth nun selbst Nachwuchs bekommen hat, macht uns sehr glücklich. Besonders stolz sind wir darauf, mit Dr. Marco Roller einen Zootierarzt in unseren Reihen zu haben, der sich seit Jahren mit großem Engagement für den Luchs und dessen Rückkehr nach Baden-Württemberg einsetzt“, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt.

Das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wird von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland und dem Zoo Karlsruhe im Auftrag des Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz umgesetzt. Unterstützt wird das Projekt zudem durch die Luchs-Initiative Baden-Württemberg.

Der Nachweis dieses Jungtiers zeigt, dass die Bestandsstützung wirkt. Aus einem ausgewilderten Jungluchs, der 2024 im Tierpark Chemnitz geboren wurde, ist ein Muttertier geworden.