Die ersten Moorfrösche aus dem gemeinsamen Artenschutzprojekt des Zoos Karlsruhe und des Regierungspräsidiums Karlsruhe haben ihre Metamorphose abgeschlossen. Aus den Kaulquappen sind inzwischen kleine Jungfrösche geworden, die in den kommenden Wochen ausgewildert werden können. Die Tiere werden dabei genau in jene Lebensräume zurückgebracht, aus denen zuvor auch der Laich eingesammelt wurde.
Der Moorfrosch gehört zu den seltensten Amphibienarten Süddeutschlands. Im Landkreis Karlsruhe existiert nur noch eine kleine Reliktpopulation, das einzige weitere bekannte Vorkommen in Baden-Württemberg liegt im Raum Ravensburg. Die auf dauerhaft feuchte Lebensräume angewiesene Art leidet unter der zunehmenden Austrocknung vieler Gewässer, längeren Hitze- und Trockenperioden sowie dem allgemeinen Verlust geeigneter Lebensräume.
Um die stark bedrohte Art zu unterstützen, werden im zeitigen Frühjahr Laichballen aus den natürlichen Gewässern entnommen und in die Aufzuchtstation des Zoos gebracht. Dort entwickeln sich die Kaulquappen unter geschützten Bedingungen. Gerade flache Laichgewässer trocknen in der Natur immer häufiger aus, zudem fallen Eier und Kaulquappen zahlreichen Fressfeinden zum Opfer. In der Aufzuchtstation können deshalb deutlich mehr Tiere erfolgreich bis zur Metamorphose heranwachsen.
Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe umgesetzt. Beim Aufbau der Aufzuchtstation konnte zudem auf Erfahrungen aus einem bereits etablierten Schutzprojekt im Raum Ravensburg zurückgegriffen werden. Ziel ist es, die verbliebenen Bestände langfristig zu stabilisieren und zu stärken. „Jedes Tier zählt bei dieser Art“, betont Zootierarzt und Amphibienspezialist Dr. Lukas Reese, der das Projekt im Zoo Karlsruhe initiiert hat.
Der Moorfrosch zeigt zudem beispielhaft, wie moderner Artenschutz heute funktioniert. Grundlage ist der sogenannte One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN. Dabei werden Schutzmaßnahmen in menschlicher Obhut und direkt im natürlichen Lebensraum gemeinsam gedacht. Zoos, Behörden, Wissenschaft und weitere Partner arbeiten eng zusammen, um bedrohte Arten langfristig zu erhalten. Beim Moorfrosch reicht das von der Sicherung und Betreuung der natürlichen Laichgewässer bis hin zur geschützten Aufzucht und Auswilderung der Jungtiere. Auch eine spätere Renaturierung von Lebensraum könnte dazu beitragen.
Besonders auffällig sind Moorfrösche während der Paarungszeit. Für wenige Tage färben sich die sonst eher unauffälligen Männchen intensiv blau und werben damit um die Weibchen. Künftig könnten auch die jetzt im Zoo aufgezogenen Tiere selbst wieder für neuen Nachwuchs sorgen.




